Wenn Online-Liebe schiefgeht: Der Fall Megan Meier

Juni 24, 2008

Obwohl im Web 2.0 mehrheitlich positiv über Online-Liebesgeschichten berichtet wird, werden auch einige Fälle veröffentlicht, die sich zu Tragödien entwickelt haben. Gerade kürzlich in den Medien aktuell war der Fall von Megan Meier, eines amerikanischen Teenagermädchens, das durch eine vermeintliche Online-Liebe Opfer einer perfiden Intrige wurde.

Ein Artikel dazu befindet sich unter anderem auf Spiegel.de.

Die Mutter einer ehemaligen Freundin gab sich als ‚Josh‘ aus, in den Megan sich durch regelmässige Online-Kontakte verliebte. Als die vermeintliche Online-Liebe sie plötzlich zurückstiess und beschimpfte, erhängte sich Megan – im Alter von 13 Jahren.

Die Tatsache, dass ein Flirt auf einer sozialen Netzwerk-Seite eine solche emotionale Kraft auf ein junges Mädchen ausüben kann, ist erstaunlich, eigentlich schon erschreckend. Es wurde in der Medien-Berichterstattung darauf hingewiesen, dass Megan depressiv, eher schüchtern und mit ihrem Aussehen unzufrieden war. Es ist gut vorstellbar, dass diese Faktoren eine Rolle im unglücklichen Verlauf von Megans Geschichte spielten.

Die Involvierung einer erwachsenen Person (der Mutter der ehemaligen Freundin) in die gezielte Täuschung und Demütigung des Mädchens wirft rechtliche Fragen auf. Laut Nutzungsbedingungen von Myspace ist es nicht gestattet, falsche Angaben in den eigenen Profilinformationen zu machen und sich als eine andere Person auszugeben. Wegen dem Übermass an Informationen (Millionen kostenloser accounts) werden diese Angaben aber generell nicht überprüft, können auch kaum überprüft werden – es sei denn, es liegt eine konkrete Anzeige vor. Diese wird wohl im Fall Megan Meier gegeben sein.

Obwohl nicht alles publik wird, wird es wohl noch andere, ähnliche Geschichten geben – hoffentlich mit weniger dramatischem Ausgang. Das Internet ist nun einmal kaum kontrollierbar, trotzdem ist es zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Informationsgesellschaft geworden, gerade in seiner jetzigen offenen Form. Ohne diese Benutzerfreiheit könnten wir nicht mehr von einem Web 2.0 sprechen. Wichtig ist, dass Kinder so bald wie möglich über die Chancen und Gefahren des Internets aufgeklärt werden und Eltern unterstützend zur Seite stehen, wenn das Kind das Web 2.0 erforscht.

 

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Wissenschaftliche Studie: Die Entstehung von Liebesbeziehungen online

Juni 24, 2008

Im letzten Jahrzehnt sind von verschiedenen Gruppen und Institutionen Untersuchungen zur Partnersuche im Internet durchgeführt worden. Diese Untersuchungen und Studien beziehen sich meist auf Dating-Portale im Stil von Parship, vielleicht, weil sich diese zur Auswertung besser eignen als beispielsweise ein Chat. Als Beispiel eines wissenschaftlichen Ansatzes soll hier die Studie des soziologischen Instituts der Universität Zürich (2002) vorgestellt werden, gerade auch, weil es sich um eine Schweizer Universität handelt. Das untersuchte Portal war Partnerwinner.ch.

Die Studie wurde mit Hilfe einer repräsentativen Webumfrage durchgeführt. Laut der Webseite dazu lauteten die Orientierungsthesen folgendermassen:

(1) Internet ist eine neue, jedoch gleichberechtigte Institution der Partnersuche;
(2) Virtuell entstandene Bindungen sind genuine soziale Beziehungen;
(3) Besondere Natur der Online-Beziehungen -Die „anderen“ Augen sehen von innen nach aussen;
(4) PartnerWinner ist ein idealtypischer Partnersuchmarkt;
(5) Die Auswirkung des Internet auf Paarbildung ist eher egalisierend als elitenbildend;
(6) Frauen sind erfolgreicher mit ihrer Beziehungssuche im Internet als Männer.

Die Hauptthese (die laut eigenen Angaben des SUZ bestätigt wurde) lautete:

„Der Cyberspace gewinnt zunehmend an Bedeutung als ein Ort, wo man seinen Partner fürs Leben mit immer grösserer Wahrscheinlichkeit findet“

Die Vorstellung der Gesamtergebnisse würde den Umfang dieses Eintrags sprengen. Daher hier einige ausgewählte Ergebnisse:

17.1% der befragten User waren der Meinung, dass das Internet der wahrscheinlichste Ort ist, ‚wo man seinen Partner finden kann‘ (nach dem Arbeitsplatz mit 17.4%).

Die „Erfolgsquote“ der befragten Nutzerinnenn und Nutzer von Partnerwinner beim Aufbau einer „festen Liebesbeziehung“ betrug 23%. Die Hälfte davon (12%) waren zum Zeitpunkt der Befragung immer noch intakt. Es wurde aber vermutet, dass die Dunkelziffer noch um einiges höher war, da einige erfolgreiche Partneruchende sich womöglich einfach abmeldeten und nicht mehr motiviert waren, sich befragen zu lassen.

Beim Nutzerprofil stellte sich eine Ungleichheit der Geschlechter heraus: „Männer waren beispielsweise zu 77% kinderlos und besassen den Vorteil einer höheren Bildung und eines höheren Einkommens als Frauen, dafür waren Frauen in ihrem Alltag weniger durch ihre Erwerbstätigkeit belastet (25% der Männer berichteten, über 100% zu arbeiten gegenüber nur 12% der Frauen).“ (Entnommen der Resultate-Seite zur Studie).

Erwähnte Vorteile dieser Art der Partnersuche waren zu 75% die Anonymität, weniger Hemmungen mit 50% und die Möglichkeit zu unverbindlichen Kontakten mit 47%. Als Nachteil empfunden wurde die Tatsache, dass man „alles schreiben kann“ (70%), „den anderen nicht sieht oder spürt“ (36%) und dass es nicht möglich ist, sich ein Bild des anderen zu machen (25%).

Laut der Studie sind Grenzen zwischen Realität und Cyberspace im Hinblick auf die ‚Echtheit‘ der Beziehungen nicht zu ziehen. „Es hat sich eindeutig bestätigt, dass im Internet aufgebaute Beziehungen so echt wie herkömmliche Beziehungen sind, da sie ihre anfänglich rein „virtuelle“ Natur ziemlich schnell hinter sich lassen, um ein unentbehrlicher Teil des realen Lebens zu werden“ (entnommen der Resultate-Seite)

Auch die „Identitätskonstruktion“ durch selbst erstellbare Online-Profile wurde reflektiert. Trotz dieser Möglichkeit für Nutzer, sich selbst online als möglichen Traumpartner darzustellen, kam die Studie zum Schluss, dass die Entfernung vom „wahren Selbst“ nur selten sehr gross sei, da die Tendenz bestehe, Online-Beziehungen so rasch wie möglich ins reale Leben zu übertragen. Dadurch würde eine unechte Identität schnell entlarvt werden.

 

Geschichte einer Online-Liebe

Juni 16, 2008

Als Beispiel dafür, wie sich romantische Partnerschaften über das Internet anbahnen können, soll an dieser Stelle die wahre Geschichte von Sarah wiedergegeben werden. Sarah ist eine junge Amerikanerin, seit einem guten Jahrzehnt mit Sean zusammen, und kam mit mir über das Diskussionsforum des Online-Text-Rollenspiels ArmageddonMUD ins Gespräch. Sie ist mit der Veröffentlichung im Rahmen dieses Wikis einverstanden. Da die Geschichte privat über email übermittelt wurde, wird sie anstatt der sonst bei externen Quellen üblichen Verlinkung im Blog selbst wiedergegeben, mit der Kürzung eines Abschnitts, die mit (…) gekennzeichnet wurde.

„In May of 1997, I upheaved my entire life to move from where I grew up, halfway across the country to chase a dream of mine.  Unfortunately, things didn’t work out, and I was left stranded in an unfamiliar place.  I got a crappy fast food job to pay the bills and hopefully save up the money to move back home.  Since I lived in a tiny college town during the summer when everyone had left, the only company I had was a computer and the friends I met online through different talkers.  (Talkers are a lot like muds, telnet based chat rooms basically, with more complex code than regular chatrooms.)

Sometime in May-June was when I met Sean (spawnloser) on a talker called Kama Sutra.  A lot of people went there for „sex“ because of the theme of the place, so I set myself to have no gender at all to avoid being propositioned.  I happened to look at his profile and I thought to myself, „That sounds like someone I’d get along with. “ and struck up a conversation.  And we did, we got along great, and realized that we had a lot in common.  And unlike most people, he never asked if I was male or female, we just talked.  He didn’t know I was female until about a month or so later when I got a picture of myself scanned and put up on the internet.  He was unphased by it.

One of the biggest things we had in common was that we were both unhappy with the situations we were in. (…)

From there, we made plans for me to move halfway across the country (again) to stay with him.  Most of my other internet friends kept telling me that I was stupid for making such a move, but I didn’t care.  I can’t explain how I knew, but somehow I knew it was the right thing to do.  In October of 1997 on a Friday after they got off of work, he and a friend of his drove all the way out to Pennsylvania where I was living.  We had seen pictures of each other, talked on the phone, but this was our first time actually meeting in person.  The two of them spent the night at my apartment, and in the morning we packed my things into the car and drove a total of twenty hours to where Sean lived in Minnesota.  We’ve been together ever since.“

 

 

 

Indien: Boom in der Online-Ehevermittlung

Mai 11, 2008

Laut der deutschen Wikipedia ist Indien eines der Länder, die in den letzten Jahren einen grossen IT- und Internet-Boom erlebten, der sich weiter fortsetzt. Es ist auch eines der Länder, in dem arrangierte Ehen nach wie vor Teil des gesellschaftlichen Lebens sind. Es verwundert also nicht, dass kein anderes Land über so viele Internetseiten zum Zweck der Partnervermittlung verfügt. Auch die grösste Heiratsbörse der Welt ist eine indische Webseite: Shaadi. (Quelle: Wikipedia)

Bei der Betrachtung von Shaadi im Vergleich zu westlichen Angeboten fällt auf, dass die Religionszugehörigkeit ein wichtiges Kriterium in der sofort sichtbaren Suchmaske ist. Auch wird nicht einfach neutral nach einem Mann oder einer Frau gesucht, die Suchfunktion gibt die Begriffe ‚bride‘ und ‚groom‘ vor. Der Schwerpunkt liegt hier also deutlich stärker bei der Eheschliessung als bei westlichen Angeboten.

Die Eheschliessung ist in Indien nach wie vor Tradition, vor allem in den ländlichen Regionen. Unverheiratete oder geschiedene Frauen leiden unter einem gesellschaftlichen Stigma. Die Bezahlung von Mitgift ist zwar mittlerweile verboten, wird aber nach wie vor praktiziert, wie der im ersten Abschnitt verlinkte Artikel der Süddeutschen Zeitung zeigt. Die traurigen Auswirkungen: verarmte tochterreiche Familien, Abtreibungen weiblicher Föten und Gewalt an Frauen.

Es bleibt zu hoffen, dass der Trend zur Online-Vermittlung vielleicht einigen indischen Frauen dabei hilft, mit mehr Selbständigkeit und eigener Entscheidungsgewalt bei ihrer Partnerwahl mitzuwirken. Das Internet kommt aber immer noch vor allem den Frauen in städtischen Gebieten zugute, auf dem Land regieren nach wie vor uralte Traditionen – und daran werden wohl auch die unzähligen Online-Vermittlungsdienste so bald nichts ändern.

 

Vernunftbeziehungen dank Internet?

Mai 3, 2008

Am 5. 3. 2006 veröffentlichte der deutsche Tagesspiegel einen Artikel mit dem Titel „Nicht die Liebe zählt“. Darin wurde vor dem Hintergrund von Online-Partnersuche ein Comeback der Vernunftehe angekündigt. Nicole Schiller, Single-Coach bei Parship, wird wie folgt zitiert:

„Beim spontanen Kennenlernen verliebt man sich, ist fasziniert voneinander. Dann kommt die Phase der Desillusionierung, in der man beginnt, den Partner so zu sehen, wie er ist, auch mit seinen Schwächen und Unzulänglichkeiten.“ Das Trennungsrisiko wächst. Bei eher rational gesteuerten Beziehungsentscheidungen läuft es umgekehrt: Man stellt fest, dass man zueinander passt, dass man dieselben Erwartungen hat, dass man sich miteinander wohlfühlt – „und dann guckt man, ob der Funke überspringt, ob man sich verliebt“.

 Im Artikel wird argumentiert, dass Menschen, die sich online kennenlernen, erst einmal auf Faktoren achten, die eine spätere Stabilität der Beziehung erhöhen – wie zum Beispiel Erwartungen an eine Partnerschaft, Kinderwunsch und gemeinsame Interessen. Äusserlichkeiten, die bei einem realen Kennenlernen zu einer raschen Verliebtheit verführen können, fallen weg. Der Kölner Soziologe Michael Wagner glaubt, dass Beziehungen, die über das Internet oder sehr offen rational entstehen, effizienter verlaufen. Menschen treten gezielt mit anderen in Kontakt, die einen Partner suchen, und die Standardisierung und Beschleunigung des Vorgangs kann ein Vorteil sein. Das Enttäuschungsrisiko ist geringer, wenn Erwartungen sofort klar sind.

Die Argumente erscheinen plausibel. Es scheint naheliegend, dass Beziehungen, bei denen sofort wesentliche Faktoren ‚kaltherzig‘ abgecheckt werden, auf Dauer durchaus stabiler sind. Aber sind sie auch glücklicher? Sind nicht vielleicht doch kürzere, ‚unvernünftige‘ Phasen des Verliebtseins einer langjärhigen, jedoch immer mehr abkühlenden Beziehung vorzuziehen? Über die Behauptung des im Artikel erwähnten amerikanischen Psychologen Robert Epstein liesse sich streiten: „Aber diese Liebe, so argumentiert der amerikanische Psychologe Robert Epstein, steuert man selbst: Wer sich verlieben will, verliebt sich auch.“

Es ist fraglich, ob alle Menschen über einen solchen ‚Liebesknopf‘ verfügen und ob die Gefühle sich dem Vernunftentscheid anpassen, wenn der Mensch es so möchte. Denn die Liebe selbst ist an sich kaum rational zu betrachten und verhält sich auch nicht so, daran werden auch wohl kalkulierte Matching-Punkte in Internet-Profilen schwerlich etwas ändern.

Zudem können wir beobachten, dass mit der zunehmenden Nutzung von Multimedia-Inhalten, die von jedermann selbst erstellt und verfügbar gemacht werden können, auch das Internet zunehmend entrationalisiert wird: Teenager-Mädchen singen auf Youtube, und Myspace-Nutzer buhlen um die umfangreichsten Freundeslisten. Falls die Grenzen noch mehr verwischen, könnte sich in einem Jahrzehnt die Partnersuche im Internet kaum noch von einem Gang in den Singleclub um die Ecke unterscheiden.

Vor- und Nachteile von Partnersuche im Internet

April 20, 2008

Für den heutigen Beitrag soll der Frage nachgegangen werden, warum Menschen ihren Partner online statt im realen Umfeld suchen, und was für Vor- und Nachteile dabei entstehen.

Im August 2004 führte das Online- Markt- und Meinungsforschungsinstitut Marketagent.com eine Studie zur Partnersuche im Internet durch, 683 Internetuser wurden befragt. Die Webseite von Marketagent.com ist leider nur für Befragungsteilnehmer zugänglich, aber die Ergebnisse der Studie wurden von verschiedenen Quellen referenziert. Zum Beispiel bei Singleboersen-Vergleich.ch .

Auch Parship wird wieder als Partnervermittlungs-Service genannt, aber man darf annehmen, dass die 14%, die angaben, einen Partner im Internet kennengelernt zu haben, dies nicht nur über Parship taten. Es gibt ja viele, auch nicht kostenpflichtige Möglichkeiten, mit Menschen im Internet Kontakt aufzuhehmen und dabei besteht immer auch die Möglichkeit, ein Treffen zu arrangieren und die freundschaftliche Beziehung zu intensivieren oder sich sogar zu verlieben. Online-Games, Chaträume, Foren und Community-Services wie Myspace sind nur einige der Möglichkeiten. Über diese Alternativen wird jedoch kaum berichtet, die kommerziellen Vermittlungsportale sind in der Presse fast schon überrepräsentiert.

Es wurden folgende Vorteile für die Partnersuche genannt:

-Anonymität

-Kontakt lässt sich langsam aufbauen

-Das Äussere steht nicht zwangsläufig im Mittelpunkt

Zudem ist es sicherlich von Vorteil, dass Online-Kontakte innerhalb eines flexiblen Zeitfensters von zu Hause aus oder auch irgendwo unterwegs, wo man online gehen kann, geflegt werden können. Und schüchterne, zurückgezogene oder auch behinderte Menschen (z.b. gehörlose, gelähmte) profitieren sicherlich von Vorteilen gegenüber der realen Kontaktaufnahme.

Nachteile werden viel seltener genannt als Vorteile, vielleicht, weil im Interesse der kommerziellen Portale öfter positiv berichtet wird?

Bei Rundschau-online gibt es einen Abschnitt zu den negativeren Aspekten von Online-Flirts.

So wird erwähnt, dass Mitglieder von Singlebörsen in der Realität ganz anders aussehen, als sie sich online präsentieren, oder ganz andere Absichten verfolgen. Auch werden kommerzielle Fälschungen genannt, die auf teure 0900- oder 0190-Nummern verweisen. Zudem kann es zu Problemen beim Datenschutz kommen: vermutlich auch wegen der wahrgenommen Anonymität im Internet gehen manche User sehr freizügig mit ihren persönlichen Daten um. Auch pädophile Erwachsene können so versuchen, an die Adressen von Kindern zu kommen, die sich der Gefahren der Internets nicht bewusst sind.

Falsche Angaben über das eigene Aussehen und die eigene Identität sind sicherlich eine Besonderheit des Internets, die bei einem realen Kontakt so nicht bestehen würde. Was Absichten und Interessen angeht, so können sich Menschen so oder so belügen – auch offline.

 

Internationale Heiratsvermittlung im Internet – Thaifrau

März 30, 2008

Nebst kommerzieller Partnervermittlung wurde auch Online-Heiratsvermittlung weit über die Landesgrenzen hinweg des öfteren in den Medien thematisiert. Es sind meist Frauen, die einen Mann aus der westlichen Welt suchen. Anders als z.B. bei Parship steht bei dieser Art der Partnersuche im Internet nicht so sehr die Liebe, sondern erstrangig die erfolgreich abgeschlossene Hochzeit im Vordergrund. Damit werden auch rechtliche und finanzielle Probleme gelöst, denn oft stammen die vermittelten Frauen aus Ländern wie Thailand und China.

Mit einer einfachen Suchanfrage wie z.B. ‚marry a chinese woman‘ in einer Suchmaschine werden entsprechende Angebote sehr schnell gefunden:

http://www.chnlove.com/my/newprofiles.php

Ich habe mir die Seite Thaifrau – http://www.thaifrau.org/ genauer angeschaut und dabei festgestellt, dass es durchaus seriöse Angebote zu geben scheint, die den partnersuchenden Usern wertvolle Tipps mit auf den Weg geben und sich mit klaren Regeln von Abzockereien distanzieren. So gibt es auf der Seite u.a. umfangreiche Anweisungen in Deutsch, wie sich ein Ausländer auf Brautschau in Thailand verhalten sollte, um die Familie der Auserwählten nicht vor den Kopf zu stossen: http://www.thaifrau.org/guide/thaifrau_artikel_23.asp

Zudem wird darauf hingewiesen, dass ein Urlaubs-aufenthalt allein nicht ausreichen könnte, um die Frau und ihre Familie zu überzeugen und dass Geschenke und Essen zu einer teuren Angelegenheit werden können, obwohl die Kontaktvermittlung über Thaifrau kostenlos ist. Eher ungewöhnlich erscheint der Abschnitt in den Nutzungsregeln darüber, dass die Anzeigen der Thaifrauen von Verwandten oder Freunden in europäischen Ländern eingereicht werden müssen und nicht von den Frauen selbst: http://www.thaifrau.org/thaifrau-disclaimer.asp

Obwohl diese Regel nicht näher erläutert wird, soll sie wohl dazu dienen, die Seriösität des Angebots zu gewährleisten und vielleicht auch, um sicherzustellen, dass eine Mittelsperson bei Kontakt- und Kommunikations-schwierigkeiten zur Verfügung steht.

Eher problematisch erscheint die Tatsache, dass die Wohnadressen der Frauen offen für jeden Besucher der Seite angegeben werden. Ein Missbrauch dieser Information kann nicht ausgeschlossen werden. Die Betreiber von Thaifrau weisen darauf hin, dass das Angebot rein als Kontaktplattform dient und die Nutzer darüber hinaus nach eigenem Ermessen handeln müssen.

Auf der Website wird eher unauffällige Werbung betrieben. Es ist möglich, kostenpflichtige Banner und links online zu schalten und Zahlungen als Spende zu machen. Zudem wird im Beratungsteil auf bestimmte Literatur hingewiesen, die die Partnersuche in Thailand erleichtern soll, und vorgeschlagene Vorwahlnummern versprechen einen besonders günstigen Tarif für Gespräche nach Thailand. 

Parship – per Fragebogen zum Matching-Faktor

März 15, 2008

Parship behauptet, für Partnersuchende den Partner ermitteln zu können, der am besten zu ihnen passt. Dafür wird per Online-Fragebogen, der das Kernstück des Systems ist, die eigene Persönlichkeit ermittelt und schliesslich durch eine Matching-Prozentzahl mit den persönlichen Eigenschaften und Vorzügen potenzieller Partner verglichen. Je höher der Matching-Wert, desto besser passen diese Menschen zueinander – zumindest laut System.

 

Laut eigenen Angaben auf http://www.parship.ch basiert das Parship-Vermittlungssystem auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aus über 30 Jahren psychologischer Forschung. Konkret genannt wird Prof. Dr. Hugo Schmale, Professor für Psychologie an der Universität Hamburg. Leider wird das System aber nicht transparent gemacht, und die genannten wissenschaftlichen Erkenntnisse sowie ihr Einfluss bleiben unklar. Was bleibt, sind die vielversprechenden Worte, die dazu verleiten, auf den Fragebogen zu vertrauen.

 

Bei einem Testlauf durch die 83 Fragen fiel auf, dass der User durchaus in einzelnen Fällen in der Wahl seiner Antworten beeinflusst werden kann, was nach wissenschaftlichen Kriterien eigentlich nicht geschehen dürfte. Beim Anklicken einer Option erschien die Meldung, dass viele Menschen diese Antwort wählen würden, weil sie am logischsten erscheine. Ich solle mir daher noch einmal überlegen, ob ich mich gefühlsmässig nicht doch eher einer der anderen Optionen zuordnen könne. Was ich dann auch tat, wenn auch nur, um mich von der Masse abzuheben. Vielleicht hätten die Fragen und Antworten sorgfältiger formuliert werden müssen, um solchen Problemen vorzubeugen.

 

Zudem werden User zu Beginn der Online-Befragung auf der Parship-Webseite dazu aufgefordert, alle 83 Fragen möglichst an einem Stück zu beantworten. Da dies aber durchaus eine Stunde oder länger dauern kann, sind Ermüdungserscheinungen gegen Ende der Befragung nicht unwahrscheinlich. Ich persönlich wollte die letzten Fragen nur noch rasch durchklicken, um endlich zu einem Ende zu kommen.

 

Die Registrierung findet erst nach Abschluss des Fragebogens statt. Vielleicht sollen User davon abgehalten werden, ihr Interesse an den Fragen (und somit an der Registrierung) zu verlieren. Erst nach Abschluss der Befragung und einem ersten Vorschlag von mehreren tausend möglichen Partnern wird auch klar, dass für ein Austausch von Bildern sowie für Kommunikationsoptionen eine Premium-Mitgliedschaft notwendig ist. Diese schlägt mit über 100 Euro für 6 Monate zu Buche.   

 

Die Wirtschaftlichkeit von Online-Partnervermittlung

März 8, 2008

Es wird immer wieder gesagt und geschrieben, dass Online-Partnervermittlungen ‚boomen‘ und immer beliebter werden. Wie sehen diese Behauptungen jedoch konkret in Zahlen aus? Wie bedeutsam ist das Phänomen Liebe 2.0 konkret für Wirtschaftsfragen?

Da diese Frage offenbar schon oft von öffentlichen Nachrichtenmedien gestellt wurde, war nur eine sehr kurze Recherche notwendig, um auf NZZ Online einige Zahlen zu finden. In einem Artikel vom 11. März 2007 werden folgende Angaben gemacht:

– Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels wächst der Online-Markt für Partner-vermittlungen im Jahr um durchschnittlich 40%.

-Europaweit werden schätzungsweise rund 450 Mio. Fr. umgesetzt, davon entfallen rund 22 Mio. auf die Schweiz. Laut des deutschen Markt-forschungsinstituts Jupiter sollen es bis 2011 europaweit 800 Mio. Franken sein.

-Bei Parship, dem drittgrössten Online-Partnervermittungs-service in Europa, schreiben sich täglich ca. 5000 Mitglieder ein. Das sind rund 1.8 Millionen im Jahr.

Auf den ersten Blick sehen diese Umsatzzahlen recht beeindruckend aus. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass bei diesen Angaben nur Vermittler von ‚längerfristigen Beziehungen‘ berücksichtigt wurden, nicht aber ‚Schmuddel-Betreiber.‘ An diesem Punkt müssen wir uns darauf zurück besinnen, dass auch im Internet die Liebe auf vielen verschlungenen Wegen gefunden werden kann, die sich wohl kaum alle statistisch berücksichtigen oder berechnen lassen. Was ist beispielsweise mit all den freundschaftlich orientierten, offenen und völlig kostenlosen Chatprogrammen? Sicherlich werden dort nicht nur Freundschaften geschlossen. Die ’seriösen‘ Vermittlungsdienste verlangen eine Registrierung, Gebühren, und vermutlich auch eine gute Portion Geduld. Da liegt der Gedanke nahe, dass vielleicht etwas ältere, gut situierte, gleichermassen ’seriöse‘ Menschen als Zielgruppe für diese Dienstleister am interessantesten sind.

Am Ende des NZZ-Artikels steht ein User-Kommentar. ‚Tom Illuminator‘ schreibt:

„Parship übertölpelt Kunden

Parship wirbt für Online-Abonnemente und preist sich als Marktleader mit makellosen AGBs. Vorsicht Bauernfängerei: Parship informiert die Abonennten nicht rechtzeitig über den Ablauf eines Abonnementes und dessen automatische Verlängerung!!“

Für den nächsten Beitrag werde ich mir die Parship-Seite genauer anschauen.

Einstieg – Bedeutung für die Web-User?

März 1, 2008

Im Verlauf der letzten 1-2 Jahre haben Printmedien immer wieder über das Phänomen der Partnersuche im Internet berichtet. Unter anderem 20 Minuten am 22.11.2007: ‚Jeder Sechste findet die Liebe im Internet‘, so die Schlagzeile. Danach werden die Klischees des menschlichen Balzverhaltens aufgerollt: Männer seien in erster Linie an der Figur der potenziellen Partnerin, Frauen am Charakter und Einkommen interessiert. Für mich ist die Kernfrage jedoch ganz eine andere. Warum wird die Partnersuche im Internet immer beliebter und immer mehr von der Gesellschaft als vollwertige Alternative akzeptiert?

Um uns diese Frage zu verinnerlichen, müssen wir uns daran erinnern, dass Partnersuche und -vermittlung im Internet eigentlich eine Informationsrecherche und ein Online-Service ist, der wie Online-Banking und Online-Shopping zunehmend und vermutlich aus ähnlichen Gründen genutzt wird. Die Menschen glauben, immer weniger Zeit zu haben, und möchten tägliche Notwendigkeiten möglichst einfach und effizient abwickeln können.

Ich glaube jedoch, dass diese Annahme das Thema stark vereinfachen würde. Es muss noch viele weitere Facetten und Faktoren geben, aus deren Sichtweise ‚Liebe 2.0‘ betrachtet werden könnte, und sicherlich ist das Phänomen nicht nur rein kommerziell orientiert. Ich erinnere mich an den IGEP-Einstieg bei der ersten kurzen Themenvorstellung: Die indische Gesellschaft nutzt die Online-Partnervermittlung zunehmend als eine moderne Form der traditionellen ‚Heiratsmärkte‘. Und gab es nicht all diese Geschichten über zurückgezogene, vielleicht geistig oder körperlich behinderte Menschen, die jahrelang alleine waren, bis ihnen das Internet unverhofft und ungeplant zum Partner verhalf? Die Spielregeln sind ja beim Online-Flirt anders als im wahren Leben – eine Tatsache, die vielleicht von einigen auch als Vorteil genutzt werden kann.

Diese und andere Aspekte möchte ich in folgenden Einträgen beleuchten.