Als Beispiel dafür, wie sich romantische Partnerschaften über das Internet anbahnen können, soll an dieser Stelle die wahre Geschichte von Sarah wiedergegeben werden. Sarah ist eine junge Amerikanerin, seit einem guten Jahrzehnt mit Sean zusammen, und kam mit mir über das Diskussionsforum des Online-Text-Rollenspiels ArmageddonMUD ins Gespräch. Sie ist mit der Veröffentlichung im Rahmen dieses Wikis einverstanden. Da die Geschichte privat über email übermittelt wurde, wird sie anstatt der sonst bei externen Quellen üblichen Verlinkung im Blog selbst wiedergegeben, mit der Kürzung eines Abschnitts, die mit (…) gekennzeichnet wurde.
„In May of 1997, I upheaved my entire life to move from where I grew up, halfway across the country to chase a dream of mine. Unfortunately, things didn’t work out, and I was left stranded in an unfamiliar place. I got a crappy fast food job to pay the bills and hopefully save up the money to move back home. Since I lived in a tiny college town during the summer when everyone had left, the only company I had was a computer and the friends I met online through different talkers. (Talkers are a lot like muds, telnet based chat rooms basically, with more complex code than regular chatrooms.)
Sometime in May-June was when I met Sean (spawnloser) on a talker called Kama Sutra. A lot of people went there for „sex“ because of the theme of the place, so I set myself to have no gender at all to avoid being propositioned. I happened to look at his profile and I thought to myself, „That sounds like someone I’d get along with. “ and struck up a conversation. And we did, we got along great, and realized that we had a lot in common. And unlike most people, he never asked if I was male or female, we just talked. He didn’t know I was female until about a month or so later when I got a picture of myself scanned and put up on the internet. He was unphased by it.
One of the biggest things we had in common was that we were both unhappy with the situations we were in. (…)
From there, we made plans for me to move halfway across the country (again) to stay with him. Most of my other internet friends kept telling me that I was stupid for making such a move, but I didn’t care. I can’t explain how I knew, but somehow I knew it was the right thing to do. In October of 1997 on a Friday after they got off of work, he and a friend of his drove all the way out to Pennsylvania where I was living. We had seen pictures of each other, talked on the phone, but this was our first time actually meeting in person. The two of them spent the night at my apartment, and in the morning we packed my things into the car and drove a total of twenty hours to where Sean lived in Minnesota. We’ve been together ever since.“
Juni 24, 2008 um 3:33
Dies ist eine sehr aussergewöhnliche (Online-)Liebesgeschichte, wie sie wohl eher die Ausnahme ist.
In Amerika sind generell zwischenmenschliche Beziehungen untereinander etwas anders gelagert. Vordergründig nicht zu Unrecht bezichtigt man die Amerikaner als oberflächlich – im Vergleich zu uns Europäern. Woher kommt das? In Amerika ist es normal, für die Arbeit unglaubliche Strecken zurückzulegen oder den Wohnort deshalb mehrere tausend Kilometer zu wechseln – und dies nicht nur einmal im Leben. So beschreibt es ja auch diese Amerikanerin. Solche Veränderungen, die dort normal sind, würden bei uns, vor allem in der kleinen Schweiz, wohl doch etwas mehr Mut brauchen. Auch sieht man in Amerika (nach wie vor das Land der unbegrenzten Möglichkeiten) generell das Glas eher halbvoll und ist flexibler, im Vergleich zu uns Europäern, dies es eher pessimistisch halb leer sehen.
Die geknüpften Beziehungen an einem Wohnort werden in der Regel am neuen Wohnort nicht mehr weitergepflegt – so meine Erfahrung und auch nach Aussagen von Amerikanern, was allerdings über mehrere tausend Kilometer hinweg auch nicht einfach ist. Man findet sehr schnell Anschluss und Kontakt, er geht aber in der Regel nicht in die Tiefe und man verliert den ihn auch schnell wieder.
Dieser Umstand färbt sich wahrscheinlich auch auf Liebesbeziehungen ab. Ich nehme an, dass Amerikaner dadurch auch in der Kontaktsuche etwas „forscher“ und mutiger zur Sache gehen als bei uns (reine Hypothese meinerseits).
Interessant ist der Umstand, dass sie lange nicht ihr Geschlecht angab und er es nicht wissen wollte. Und sehr aussergewöhnlich (und mutig), dass von beiden Seiten entschieden wurde, quer durchs Land zusammenzuziehen, obwohl man sich noch nie gesehen hatte.
Dass diese Liebe seit mehr als zehn Jahren hält, ist wohl dem Umstand zuzuschreiben, dass sich einfach zwei gefunden haben, die wirklich gut zusammen passen, abgesehen von der Art und Weise, wie sie sich kennengelernt haben.