Archiv für Juni 2008

Wenn Online-Liebe schiefgeht: Der Fall Megan Meier

Juni 24, 2008

Obwohl im Web 2.0 mehrheitlich positiv über Online-Liebesgeschichten berichtet wird, werden auch einige Fälle veröffentlicht, die sich zu Tragödien entwickelt haben. Gerade kürzlich in den Medien aktuell war der Fall von Megan Meier, eines amerikanischen Teenagermädchens, das durch eine vermeintliche Online-Liebe Opfer einer perfiden Intrige wurde.

Ein Artikel dazu befindet sich unter anderem auf Spiegel.de.

Die Mutter einer ehemaligen Freundin gab sich als ‘Josh’ aus, in den Megan sich durch regelmässige Online-Kontakte verliebte. Als die vermeintliche Online-Liebe sie plötzlich zurückstiess und beschimpfte, erhängte sich Megan – im Alter von 13 Jahren.

Die Tatsache, dass ein Flirt auf einer sozialen Netzwerk-Seite eine solche emotionale Kraft auf ein junges Mädchen ausüben kann, ist erstaunlich, eigentlich schon erschreckend. Es wurde in der Medien-Berichterstattung darauf hingewiesen, dass Megan depressiv, eher schüchtern und mit ihrem Aussehen unzufrieden war. Es ist gut vorstellbar, dass diese Faktoren eine Rolle im unglücklichen Verlauf von Megans Geschichte spielten.

Die Involvierung einer erwachsenen Person (der Mutter der ehemaligen Freundin) in die gezielte Täuschung und Demütigung des Mädchens wirft rechtliche Fragen auf. Laut Nutzungsbedingungen von Myspace ist es nicht gestattet, falsche Angaben in den eigenen Profilinformationen zu machen und sich als eine andere Person auszugeben. Wegen dem Übermass an Informationen (Millionen kostenloser accounts) werden diese Angaben aber generell nicht überprüft, können auch kaum überprüft werden – es sei denn, es liegt eine konkrete Anzeige vor. Diese wird wohl im Fall Megan Meier gegeben sein.

Obwohl nicht alles publik wird, wird es wohl noch andere, ähnliche Geschichten geben – hoffentlich mit weniger dramatischem Ausgang. Das Internet ist nun einmal kaum kontrollierbar, trotzdem ist es zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Informationsgesellschaft geworden, gerade in seiner jetzigen offenen Form. Ohne diese Benutzerfreiheit könnten wir nicht mehr von einem Web 2.0 sprechen. Wichtig ist, dass Kinder so bald wie möglich über die Chancen und Gefahren des Internets aufgeklärt werden und Eltern unterstützend zur Seite stehen, wenn das Kind das Web 2.0 erforscht.

 

Wissenschaftliche Studie: Die Entstehung von Liebesbeziehungen online

Juni 24, 2008

Im letzten Jahrzehnt sind von verschiedenen Gruppen und Institutionen Untersuchungen zur Partnersuche im Internet durchgeführt worden. Diese Untersuchungen und Studien beziehen sich meist auf Dating-Portale im Stil von Parship, vielleicht, weil sich diese zur Auswertung besser eignen als beispielsweise ein Chat. Als Beispiel eines wissenschaftlichen Ansatzes soll hier die Studie des soziologischen Instituts der Universität Zürich (2002) vorgestellt werden, gerade auch, weil es sich um eine Schweizer Universität handelt. Das untersuchte Portal war Partnerwinner.ch.

Die Studie wurde mit Hilfe einer repräsentativen Webumfrage durchgeführt. Laut der Webseite dazu lauteten die Orientierungsthesen folgendermassen:

(1) Internet ist eine neue, jedoch gleichberechtigte Institution der Partnersuche;
(2) Virtuell entstandene Bindungen sind genuine soziale Beziehungen;
(3) Besondere Natur der Online-Beziehungen -Die „anderen“ Augen sehen von innen nach aussen;
(4) PartnerWinner ist ein idealtypischer Partnersuchmarkt;
(5) Die Auswirkung des Internet auf Paarbildung ist eher egalisierend als elitenbildend;
(6) Frauen sind erfolgreicher mit ihrer Beziehungssuche im Internet als Männer.

Die Hauptthese (die laut eigenen Angaben des SUZ bestätigt wurde) lautete:

„Der Cyberspace gewinnt zunehmend an Bedeutung als ein Ort, wo man seinen Partner fürs Leben mit immer grösserer Wahrscheinlichkeit findet“

Die Vorstellung der Gesamtergebnisse würde den Umfang dieses Eintrags sprengen. Daher hier einige ausgewählte Ergebnisse:

17.1% der befragten User waren der Meinung, dass das Internet der wahrscheinlichste Ort ist, ‘wo man seinen Partner finden kann’ (nach dem Arbeitsplatz mit 17.4%).

Die „Erfolgsquote“ der befragten Nutzerinnenn und Nutzer von Partnerwinner beim Aufbau einer „festen Liebesbeziehung“ betrug 23%. Die Hälfte davon (12%) waren zum Zeitpunkt der Befragung immer noch intakt. Es wurde aber vermutet, dass die Dunkelziffer noch um einiges höher war, da einige erfolgreiche Partneruchende sich womöglich einfach abmeldeten und nicht mehr motiviert waren, sich befragen zu lassen.

Beim Nutzerprofil stellte sich eine Ungleichheit der Geschlechter heraus: „Männer waren beispielsweise zu 77% kinderlos und besassen den Vorteil einer höheren Bildung und eines höheren Einkommens als Frauen, dafür waren Frauen in ihrem Alltag weniger durch ihre Erwerbstätigkeit belastet (25% der Männer berichteten, über 100% zu arbeiten gegenüber nur 12% der Frauen).“ (Entnommen der Resultate-Seite zur Studie).

Erwähnte Vorteile dieser Art der Partnersuche waren zu 75% die Anonymität, weniger Hemmungen mit 50% und die Möglichkeit zu unverbindlichen Kontakten mit 47%. Als Nachteil empfunden wurde die Tatsache, dass man „alles schreiben kann“ (70%), „den anderen nicht sieht oder spürt“ (36%) und dass es nicht möglich ist, sich ein Bild des anderen zu machen (25%).

Laut der Studie sind Grenzen zwischen Realität und Cyberspace im Hinblick auf die ‘Echtheit’ der Beziehungen nicht zu ziehen. „Es hat sich eindeutig bestätigt, dass im Internet aufgebaute Beziehungen so echt wie herkömmliche Beziehungen sind, da sie ihre anfänglich rein „virtuelle“ Natur ziemlich schnell hinter sich lassen, um ein unentbehrlicher Teil des realen Lebens zu werden“ (entnommen der Resultate-Seite)

Auch die „Identitätskonstruktion“ durch selbst erstellbare Online-Profile wurde reflektiert. Trotz dieser Möglichkeit für Nutzer, sich selbst online als möglichen Traumpartner darzustellen, kam die Studie zum Schluss, dass die Entfernung vom „wahren Selbst“ nur selten sehr gross sei, da die Tendenz bestehe, Online-Beziehungen so rasch wie möglich ins reale Leben zu übertragen. Dadurch würde eine unechte Identität schnell entlarvt werden.

 

Geschichte einer Online-Liebe

Juni 16, 2008

Als Beispiel dafür, wie sich romantische Partnerschaften über das Internet anbahnen können, soll an dieser Stelle die wahre Geschichte von Sarah wiedergegeben werden. Sarah ist eine junge Amerikanerin, seit einem guten Jahrzehnt mit Sean zusammen, und kam mit mir über das Diskussionsforum des Online-Text-Rollenspiels ArmageddonMUD ins Gespräch. Sie ist mit der Veröffentlichung im Rahmen dieses Wikis einverstanden. Da die Geschichte privat über email übermittelt wurde, wird sie anstatt der sonst bei externen Quellen üblichen Verlinkung im Blog selbst wiedergegeben, mit der Kürzung eines Abschnitts, die mit (…) gekennzeichnet wurde.

„In May of 1997, I upheaved my entire life to move from where I grew up, halfway across the country to chase a dream of mine.  Unfortunately, things didn’t work out, and I was left stranded in an unfamiliar place.  I got a crappy fast food job to pay the bills and hopefully save up the money to move back home.  Since I lived in a tiny college town during the summer when everyone had left, the only company I had was a computer and the friends I met online through different talkers.  (Talkers are a lot like muds, telnet based chat rooms basically, with more complex code than regular chatrooms.)

Sometime in May-June was when I met Sean (spawnloser) on a talker called Kama Sutra.  A lot of people went there for „sex“ because of the theme of the place, so I set myself to have no gender at all to avoid being propositioned.  I happened to look at his profile and I thought to myself, „That sounds like someone I’d get along with. “ and struck up a conversation.  And we did, we got along great, and realized that we had a lot in common.  And unlike most people, he never asked if I was male or female, we just talked.  He didn’t know I was female until about a month or so later when I got a picture of myself scanned and put up on the internet.  He was unphased by it.

One of the biggest things we had in common was that we were both unhappy with the situations we were in. (…)

From there, we made plans for me to move halfway across the country (again) to stay with him.  Most of my other internet friends kept telling me that I was stupid for making such a move, but I didn’t care.  I can’t explain how I knew, but somehow I knew it was the right thing to do.  In October of 1997 on a Friday after they got off of work, he and a friend of his drove all the way out to Pennsylvania where I was living.  We had seen pictures of each other, talked on the phone, but this was our first time actually meeting in person.  The two of them spent the night at my apartment, and in the morning we packed my things into the car and drove a total of twenty hours to where Sean lived in Minnesota.  We’ve been together ever since.“