Laut der deutschen Wikipedia ist Indien eines der Länder, die in den letzten Jahren einen grossen IT- und Internet-Boom erlebten, der sich weiter fortsetzt. Es ist auch eines der Länder, in dem arrangierte Ehen nach wie vor Teil des gesellschaftlichen Lebens sind. Es verwundert also nicht, dass kein anderes Land über so viele Internetseiten zum Zweck der Partnervermittlung verfügt. Auch die grösste Heiratsbörse der Welt ist eine indische Webseite: Shaadi. (Quelle: Wikipedia)
Bei der Betrachtung von Shaadi im Vergleich zu westlichen Angeboten fällt auf, dass die Religionszugehörigkeit ein wichtiges Kriterium in der sofort sichtbaren Suchmaske ist. Auch wird nicht einfach neutral nach einem Mann oder einer Frau gesucht, die Suchfunktion gibt die Begriffe ‘bride’ und ‘groom’ vor. Der Schwerpunkt liegt hier also deutlich stärker bei der Eheschliessung als bei westlichen Angeboten.
Die Eheschliessung ist in Indien nach wie vor Tradition, vor allem in den ländlichen Regionen. Unverheiratete oder geschiedene Frauen leiden unter einem gesellschaftlichen Stigma. Die Bezahlung von Mitgift ist zwar mittlerweile verboten, wird aber nach wie vor praktiziert, wie der im ersten Abschnitt verlinkte Artikel der Süddeutschen Zeitung zeigt. Die traurigen Auswirkungen: verarmte tochterreiche Familien, Abtreibungen weiblicher Föten und Gewalt an Frauen.
Es bleibt zu hoffen, dass der Trend zur Online-Vermittlung vielleicht einigen indischen Frauen dabei hilft, mit mehr Selbständigkeit und eigener Entscheidungsgewalt bei ihrer Partnerwahl mitzuwirken. Das Internet kommt aber immer noch vor allem den Frauen in städtischen Gebieten zugute, auf dem Land regieren nach wie vor uralte Traditionen – und daran werden wohl auch die unzähligen Online-Vermittlungsdienste so bald nichts ändern.