Archiv für März 2008

Internationale Heiratsvermittlung im Internet – Thaifrau

März 30, 2008

Nebst kommerzieller Partnervermittlung wurde auch Online-Heiratsvermittlung weit über die Landesgrenzen hinweg des öfteren in den Medien thematisiert. Es sind meist Frauen, die einen Mann aus der westlichen Welt suchen. Anders als z.B. bei Parship steht bei dieser Art der Partnersuche im Internet nicht so sehr die Liebe, sondern erstrangig die erfolgreich abgeschlossene Hochzeit im Vordergrund. Damit werden auch rechtliche und finanzielle Probleme gelöst, denn oft stammen die vermittelten Frauen aus Ländern wie Thailand und China.

Mit einer einfachen Suchanfrage wie z.B. ‘marry a chinese woman’ in einer Suchmaschine werden entsprechende Angebote sehr schnell gefunden:

http://www.chnlove.com/my/newprofiles.php

Ich habe mir die Seite Thaifrau – http://www.thaifrau.org/ genauer angeschaut und dabei festgestellt, dass es durchaus seriöse Angebote zu geben scheint, die den partnersuchenden Usern wertvolle Tipps mit auf den Weg geben und sich mit klaren Regeln von Abzockereien distanzieren. So gibt es auf der Seite u.a. umfangreiche Anweisungen in Deutsch, wie sich ein Ausländer auf Brautschau in Thailand verhalten sollte, um die Familie der Auserwählten nicht vor den Kopf zu stossen: http://www.thaifrau.org/guide/thaifrau_artikel_23.asp

Zudem wird darauf hingewiesen, dass ein Urlaubs-aufenthalt allein nicht ausreichen könnte, um die Frau und ihre Familie zu überzeugen und dass Geschenke und Essen zu einer teuren Angelegenheit werden können, obwohl die Kontaktvermittlung über Thaifrau kostenlos ist. Eher ungewöhnlich erscheint der Abschnitt in den Nutzungsregeln darüber, dass die Anzeigen der Thaifrauen von Verwandten oder Freunden in europäischen Ländern eingereicht werden müssen und nicht von den Frauen selbst: http://www.thaifrau.org/thaifrau-disclaimer.asp

Obwohl diese Regel nicht näher erläutert wird, soll sie wohl dazu dienen, die Seriösität des Angebots zu gewährleisten und vielleicht auch, um sicherzustellen, dass eine Mittelsperson bei Kontakt- und Kommunikations-schwierigkeiten zur Verfügung steht.

Eher problematisch erscheint die Tatsache, dass die Wohnadressen der Frauen offen für jeden Besucher der Seite angegeben werden. Ein Missbrauch dieser Information kann nicht ausgeschlossen werden. Die Betreiber von Thaifrau weisen darauf hin, dass das Angebot rein als Kontaktplattform dient und die Nutzer darüber hinaus nach eigenem Ermessen handeln müssen.

Auf der Website wird eher unauffällige Werbung betrieben. Es ist möglich, kostenpflichtige Banner und links online zu schalten und Zahlungen als Spende zu machen. Zudem wird im Beratungsteil auf bestimmte Literatur hingewiesen, die die Partnersuche in Thailand erleichtern soll, und vorgeschlagene Vorwahlnummern versprechen einen besonders günstigen Tarif für Gespräche nach Thailand. 

Parship – per Fragebogen zum Matching-Faktor

März 15, 2008

Parship behauptet, für Partnersuchende den Partner ermitteln zu können, der am besten zu ihnen passt. Dafür wird per Online-Fragebogen, der das Kernstück des Systems ist, die eigene Persönlichkeit ermittelt und schliesslich durch eine Matching-Prozentzahl mit den persönlichen Eigenschaften und Vorzügen potenzieller Partner verglichen. Je höher der Matching-Wert, desto besser passen diese Menschen zueinander – zumindest laut System.

 

Laut eigenen Angaben auf http://www.parship.ch basiert das Parship-Vermittlungssystem auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aus über 30 Jahren psychologischer Forschung. Konkret genannt wird Prof. Dr. Hugo Schmale, Professor für Psychologie an der Universität Hamburg. Leider wird das System aber nicht transparent gemacht, und die genannten wissenschaftlichen Erkenntnisse sowie ihr Einfluss bleiben unklar. Was bleibt, sind die vielversprechenden Worte, die dazu verleiten, auf den Fragebogen zu vertrauen.

 

Bei einem Testlauf durch die 83 Fragen fiel auf, dass der User durchaus in einzelnen Fällen in der Wahl seiner Antworten beeinflusst werden kann, was nach wissenschaftlichen Kriterien eigentlich nicht geschehen dürfte. Beim Anklicken einer Option erschien die Meldung, dass viele Menschen diese Antwort wählen würden, weil sie am logischsten erscheine. Ich solle mir daher noch einmal überlegen, ob ich mich gefühlsmässig nicht doch eher einer der anderen Optionen zuordnen könne. Was ich dann auch tat, wenn auch nur, um mich von der Masse abzuheben. Vielleicht hätten die Fragen und Antworten sorgfältiger formuliert werden müssen, um solchen Problemen vorzubeugen.

 

Zudem werden User zu Beginn der Online-Befragung auf der Parship-Webseite dazu aufgefordert, alle 83 Fragen möglichst an einem Stück zu beantworten. Da dies aber durchaus eine Stunde oder länger dauern kann, sind Ermüdungserscheinungen gegen Ende der Befragung nicht unwahrscheinlich. Ich persönlich wollte die letzten Fragen nur noch rasch durchklicken, um endlich zu einem Ende zu kommen.

 

Die Registrierung findet erst nach Abschluss des Fragebogens statt. Vielleicht sollen User davon abgehalten werden, ihr Interesse an den Fragen (und somit an der Registrierung) zu verlieren. Erst nach Abschluss der Befragung und einem ersten Vorschlag von mehreren tausend möglichen Partnern wird auch klar, dass für ein Austausch von Bildern sowie für Kommunikationsoptionen eine Premium-Mitgliedschaft notwendig ist. Diese schlägt mit über 100 Euro für 6 Monate zu Buche.   

 

Die Wirtschaftlichkeit von Online-Partnervermittlung

März 8, 2008

Es wird immer wieder gesagt und geschrieben, dass Online-Partnervermittlungen ‘boomen’ und immer beliebter werden. Wie sehen diese Behauptungen jedoch konkret in Zahlen aus? Wie bedeutsam ist das Phänomen Liebe 2.0 konkret für Wirtschaftsfragen?

Da diese Frage offenbar schon oft von öffentlichen Nachrichtenmedien gestellt wurde, war nur eine sehr kurze Recherche notwendig, um auf NZZ Online einige Zahlen zu finden. In einem Artikel vom 11. März 2007 werden folgende Angaben gemacht:

- Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels wächst der Online-Markt für Partner-vermittlungen im Jahr um durchschnittlich 40%.

-Europaweit werden schätzungsweise rund 450 Mio. Fr. umgesetzt, davon entfallen rund 22 Mio. auf die Schweiz. Laut des deutschen Markt-forschungsinstituts Jupiter sollen es bis 2011 europaweit 800 Mio. Franken sein.

-Bei Parship, dem drittgrössten Online-Partnervermittungs-service in Europa, schreiben sich täglich ca. 5000 Mitglieder ein. Das sind rund 1.8 Millionen im Jahr.

Auf den ersten Blick sehen diese Umsatzzahlen recht beeindruckend aus. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass bei diesen Angaben nur Vermittler von ‘längerfristigen Beziehungen’ berücksichtigt wurden, nicht aber ‘Schmuddel-Betreiber.’ An diesem Punkt müssen wir uns darauf zurück besinnen, dass auch im Internet die Liebe auf vielen verschlungenen Wegen gefunden werden kann, die sich wohl kaum alle statistisch berücksichtigen oder berechnen lassen. Was ist beispielsweise mit all den freundschaftlich orientierten, offenen und völlig kostenlosen Chatprogrammen? Sicherlich werden dort nicht nur Freundschaften geschlossen. Die ’seriösen’ Vermittlungsdienste verlangen eine Registrierung, Gebühren, und vermutlich auch eine gute Portion Geduld. Da liegt der Gedanke nahe, dass vielleicht etwas ältere, gut situierte, gleichermassen ’seriöse’ Menschen als Zielgruppe für diese Dienstleister am interessantesten sind.

Am Ende des NZZ-Artikels steht ein User-Kommentar. ‘Tom Illuminator’ schreibt:

„Parship übertölpelt Kunden

Parship wirbt für Online-Abonnemente und preist sich als Marktleader mit makellosen AGBs. Vorsicht Bauernfängerei: Parship informiert die Abonennten nicht rechtzeitig über den Ablauf eines Abonnementes und dessen automatische Verlängerung!!“

Für den nächsten Beitrag werde ich mir die Parship-Seite genauer anschauen.

Einstieg – Bedeutung für die Web-User?

März 1, 2008

Im Verlauf der letzten 1-2 Jahre haben Printmedien immer wieder über das Phänomen der Partnersuche im Internet berichtet. Unter anderem 20 Minuten am 22.11.2007: ‘Jeder Sechste findet die Liebe im Internet’, so die Schlagzeile. Danach werden die Klischees des menschlichen Balzverhaltens aufgerollt: Männer seien in erster Linie an der Figur der potenziellen Partnerin, Frauen am Charakter und Einkommen interessiert. Für mich ist die Kernfrage jedoch ganz eine andere. Warum wird die Partnersuche im Internet immer beliebter und immer mehr von der Gesellschaft als vollwertige Alternative akzeptiert?

Um uns diese Frage zu verinnerlichen, müssen wir uns daran erinnern, dass Partnersuche und -vermittlung im Internet eigentlich eine Informationsrecherche und ein Online-Service ist, der wie Online-Banking und Online-Shopping zunehmend und vermutlich aus ähnlichen Gründen genutzt wird. Die Menschen glauben, immer weniger Zeit zu haben, und möchten tägliche Notwendigkeiten möglichst einfach und effizient abwickeln können.

Ich glaube jedoch, dass diese Annahme das Thema stark vereinfachen würde. Es muss noch viele weitere Facetten und Faktoren geben, aus deren Sichtweise ‘Liebe 2.0′ betrachtet werden könnte, und sicherlich ist das Phänomen nicht nur rein kommerziell orientiert. Ich erinnere mich an den IGEP-Einstieg bei der ersten kurzen Themenvorstellung: Die indische Gesellschaft nutzt die Online-Partnervermittlung zunehmend als eine moderne Form der traditionellen ‘Heiratsmärkte’. Und gab es nicht all diese Geschichten über zurückgezogene, vielleicht geistig oder körperlich behinderte Menschen, die jahrelang alleine waren, bis ihnen das Internet unverhofft und ungeplant zum Partner verhalf? Die Spielregeln sind ja beim Online-Flirt anders als im wahren Leben – eine Tatsache, die vielleicht von einigen auch als Vorteil genutzt werden kann.

Diese und andere Aspekte möchte ich in folgenden Einträgen beleuchten.